Aktuelles in
Kurzform:
(Mai 2010)
Aktuelle Sicherheitslage
Der Karakorum-Highway nach Gilgit, Skardu und Hunza ist nach wie vor sicher. Täglich fahren ca. 15 Linienbusse über den KKH nach Skardu, Gilgit und Hunza.
In der neuen Provinz Gilgit-Baltistan, die bisher als Northern-Areas bezeichnet wurde, ist Frau Dr. Shama Khalid zum Governeur gewählt worden. In Gilgit-Baltistan zu dem das Nanga-Parbat Gebiet, Hunza und die Grenzgebiete zu China gehören, ist es so sicher wie in all den vergangenen Jahren und man kann sich dort als Tourist ohne irgend ein Problem aufhalten.
Nach wie vor besteht ein gewisses Anschlagsrisiko durch Terroristen im Grenzgebiet zu Afghanistan, genau genommen südwestlich und nordwestlich von Peshawar, sowie in den Großstädten wie Karachi, Lahore und Peshawar. Ziele sind aber fast immer Polizei- oder Militärstationen und deren Personal. Doch sicher ist es ratsam sich nicht all zu lange in den Städten und vor allem bei Versammlungen aufzuhalten.
Ein anderes Problem besteht zur Zeit in Hunza-Gojal. Bei Attabad gab es Anfang des Jahres einen gewaltigen Erdrutsch und dabei wurde der Hunzafluß blockiert. Inzwischen staut sich das Wasser auf 12 km bis Gulmit. Es wird fieberhaft an einem Kanal gearbeitet der das Wasser kontrolliert abfließen lassen soll. Der KKH ist ab Attabad nicht mehr befahrbar und Gojal ist damit praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten. Es gibt inzwischen Boote die Passagiere und alles Gepäck von einem zum anderen Ufer transportieren. Eine große Katastrophe für die Region und wir alle hoffen, dass sich das Problem in den nächsten Wochen lösen läßt. Nähere Informationen unter http://pamirtimes.net/
(Juli 2010)
Der See in Gojal zieht sich von Attabad bis Hussaini. Zur Zeit fließt das Wasser was hinein läuft auch wieder hinaus. Durch gezielte Sprengungen in den letzten Wochen ist eine breite Furt durch den Damm entstanden die genug Wasser ablaufen lässt. Der Naturdamm aus Fels und Lehm ist sehr stabil da er wesentlich länger als breit ist und darum ein plötzlicher Durchbruch nach Expertenmeinung nicht zu befürchten ist.
Boote die für bis zu 25 Personen Personen Platz haben stellen den Transport von Attabad nach Hussaini sicher. Menschen, Tiere, Gepäck und sogar kleinere Fahrzeuge werden jetzt routinemässig per Boot transportiert um so den Warentransfer über den Karakorum-Highway wenigstens einigermassen aufrecht zu erhalten. Ein Boot kostet zur Zeit ca. 10.000 Rupien, was ungefähr 100€ entspricht. In Hussaini stehen dann Jeeps und Kleinbusse bereit die einen weiter nach Sost zur Grenze bringen.
Der KKH ist zwischen Besham und Skardu sicher und problemlos befahrbar. Gilgit liegt nicht am Hunza-River und ist auch ganz normal per Bus oder Flugzeug erreichbar. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man meiner Meinung nach ohne Probleme nach Karimabad und weiter nach Norden reisen.
Eine alte Geschichte: Der Kashmir Konflikt
Der Staat Jammu/Kashmir, dazu
gehört auch Ladakh, war vor der Unabhängigkeit Indiens
der größte Fürstenstaat Indiens. Am 16. März
1846 wurde der Hindu-Fürst Radja Gulab Singh in Srinagar zum Maharadscha
ernannt, und damit zum neuen Herrscher über Kashmir. Die Briten
halfen ihm dabei, denn Gulab Singh war ihnen devot ergeben. Doch
damit war ein großer Konflikt vorprogrammiert, denn in Kashmir
mit seiner Hauptstadt Srinagar, leben 80% der Bevölkerung nach
dem muslimischen Glauben, der Rest besteht aus Hindus und Buddhisten.
Nun kam durch die Unterstützung der Briten ein Hindufürst
an die Macht, der ausschließlich die Interessen der zumeist reichen
hinduistischen Kaste vertrat und dies mit einer despotischen Herrschaft
zeigte. Millionen von Moslems fühlten sich mit der Zeit dadurch
benachteiligt.
Die
Engländer gründeten 1858 die indische Kronkolonie,
und ein britischer Vizekönig und Generalgouverneur regierte
für fast 100 Jahre Indien und Kashmir. Doch dann, in Folge
des verheerenden Krieges gegen Hitlerdeutschland, konnten die Briten
ihre Kronkolonie nicht mehr halten und um Mitternacht des 14.August
1947 wurde Indien unabhängig. Lord Mountbatten, der letzte
Vizekönig und Generalgouverneur, legte jedoch zuvor fest, daß
sich sämtliche Fürstenstaaten bis zum Unabhängigkeitstag
entscheiden sollten: entweder für den neuen muslimischen Staat
Pakistan oder für das hinduistisch orientierte Indien, denn mit
der Auflösung British-Indiens sollten sich zwei unabhängige
Staaten formieren, eine Teilung nach dem Prinzip der konfessionellen
Zusammensetzung der Bevölkerung. Den 600 Fürstenstaaten Indiens
stand es frei, sich für Indien oder Pakistan zu entscheiden. Sie
entschieden sich fast alle für die ein oder andere Seite bis zum
Unabhängigkeitstag, nur drei kamen letztlich zu keinem Ergebnis:
Junagadh, Hyderabad und Kashmir.
Wie
schon erwähnt, die Bevölkerung Kashmirs ist zu 80% muslimisch
orientiert. Der Name Kashmir ist außerdem Bestandteil der Idee
des Staates Pakistan. Der Buchstabe „K“ im Namen Pakistan steht für
Kashmir.
Der
zuletzt regierende Maharadscha Hari Singh sah sich schon vor der
Unabhängigkeit zunehmendem innerpolitischen Druck ausgesetzt,
denn die Briten unterstützten ihn nicht mehr. Bereits im
März 1947 waren Bestrebungen im Gange, Singh zu stürzen.
Am 12.August 1947 verhandelte er ein Stillhalteabkommen mit den muslimischen
Führern, was von Indien jedoch falsch interpretiert und darum
nicht akzeptiert wurde. Am 14.August 1947 gründete sich Pakistan
als unabhängiger Staat. Am 3.Oktober 1947 wurde Hari Singh auf
einer Muslimkonferenz in Rawalpindi seines Amtes als Maharadscha von
Kashmir enthoben. Am 22.Oktober 1947 marschierten pakistanische Elitetruppen
in Muzaffarabad ein, um Kashmir zu befreien. Am 24.Oktober wurde in
Rawalpindi eine Gegenregierung zu der des Maharadscha in Srinagar gegründet,
die Regierung von Azad-Kashmir. Mujahedin marschierten von Rawalpindi
aus in den „heiligen Krieg“. Als die muslimischen Truppen bereits 30
km vor Srinagar standen, floh Hari Singh nach Delhi und unterzeichnete
am 26.Oktober 1947 noch schnell die Beitrittsurkunde zu Indien, selbstverständlich
nur aus dem Grunde, um sich an der Macht zu halten. Sofort, nachdem
diese Urkunde unterschrieben war, schickte der indische Ministerpräsident
Nehru, selbst reicher Kashmiri hinduistischer Weltanschauung, seine
Elitetruppen nach Srinagar und der erste pakistanisch-indische Krieg
begann. Ende 1948 wurde, unter der Vermittlung des UN-Sicherheitsrates,
der Verlauf der Waffenstillstandslinie festgelegt, die bis heute
die nördliche Grenze von Lahore bis hinauf zum Siachengletscher
zwischen Indien und Pakistan markiert, und die seitdem von den Vereinten
Nationen überwacht wird.
Kashmir
ist bis heute der Zankapfel zwischen Indien und Pakistan, denn
Indien beruft sich stur auf den Beitritt des Maharadschas Hari
Singh und auf die formelle Annahme des Beitritts durch den Vizekönig
Lord Mountbatten. Doch genaugenommen teilte dieser am 27.Oktober
1947 in einem Brief an die indische Regierung mit, daß der Beitritt
nur dann Gültigkeit habe, wenn es zu einer Volksabstimmung (Plebiszit)
käme. Bis heute verweigerte Indien vehement freie Wahlen,
denn sie wissen genau, was dabei herauskommen würde. 1964 brach
dann der zweite Krieg über Kashmir zwischen Indien und Pakistan
aus, der diesmal nur 17 Tage dauerte, denn dann mußte Pakistan
kapitulieren und eine demütigende Niederlage einstecken. 1966
verpflichteten sich dann beide Staaten auf einer Konferenz in Tashkent,
in Zukunft das Kashmirproblem auf friedlichem Wege zu lösen.
Doch schon am 12.Dezember 1971 ging es wieder los, der dritte pakistanisch-indische
Krieg, diesmal war der Grund allerdings nicht Kashmir, sondern
Ostpakistan (Bengalen). Wieder verlor Pakistan in nur 12 Tagen, diesmal
aber fast die Hälfte seiner Armee. Ostpakistan wurde danach
zu einem eigenen Staat, Bangladesch.
1974
wurde Azad-Kashmir von Präsident Bhutto offiziell als fünfte
Provinz Pakistans bezeichnet. Ali Bhutto besiegelte damit endgültig
die Teilung Kashmirs, zum Ärger vieler Pakistani, deren Verwandtschaft
dort lebte. Darum wurde der Vorgang dann auch später wieder
zurückgenommen, und Azad-Kashmir erhielt ebenso wie die
Northern-Areas einen vorläufigen Sonderstatus und ist direkt
der Zentralregierung in Islamabad unterstellt.
Im
indischen Teil Kashmirs sind freie Wahlen bis heute gewaltsam verhindert
worden, und die muslimische Bevölkerung fühlt sich durch
politische Mißstände tief gedemütigt. Subventionen
aus Delhi für Kashmir flossen in den ersten Jahren ausnahmslos
in die Taschen reicher Hindus, die islamische Bevölkerung wurde
politisch übergangen und fand kein Gehör für ihre
Belange. Daraus resultierend formierte sich Wiederstand, die erste
Organisation zur Befreiung Kashmirs gründete sich in den 70er
Jahren in Srinagar. Die Fronten verhärteten sich immer mehr mit
den Jahren und Indien fiel nichts besseres ein als massiv mit Truppen
Kashmir zu besetzen und die Bevölkerung zu unterdrücken.
Ausgangssperre, Hausdurchsuchungen, willkürliche Festnahmen, Standgerichte,
Folter, Unterdrückung und Willkür der indischen Soldaten
gegen die Zivilbevölkerung gehören leider im indischen Kashmir
mittlerweile zum täglichen Leben, ein normales Leben ist im indischen
Teil von Kashmir schon lange nicht mehr möglich.
Wohlgemerkt im indischen Teil Kashmirs.
Im pakistanischen Teil in den Northern-Areas (Baltistan, Hunza, Gilgit,
Chilas) gab es in den letzten 25 Jahren in denen ich dort jedes Jahr
weilte, nie irgendwelche Probleme. Die Auseinandersetzungen finden ausnahmslos
an der unmittelbaren Grenze zwischen Indien und Pakistan (Waffenstillstandslinie)
statt.
Achtung:
"Eine Gewähr für die Richtigkeit
und Vollständigkeit sowie eine Haftung für eventuell
eintretende Schäden
kann nicht übernommen werden. Gefahrenlagen
sind oft unübersichtlich und können sich rasch ändern".
So schreibt das Auswärtige Amt
am Schluß in seinen Reisehinweisen zu den einzelnen Ländern.
Dies gilt selbstverständlich auch
für meine Reiseinfos.
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