Tilman Pass Karakorum 5555 m

Expedition 2018

 

 

Im Juli 2018 gelingt mir nach meiner ersten Karakorumexpedition 2006 die vierte Karakorum-Durchquerung von Shimshal nach Askole. Das eigentliche Ziel dieser Expedition war die Erforschung des Tilman-Pass im zentralen Karakorum, der angeblich von Bill Tilman 1937 während seiner Forschungsreise im Karakorum entdeckt wurde. Darüber gibt es leider nur wenig Aufzeichnungen. Mir lag eine alte Karte von Michael Spender von 1937 vor, in der die Tilman-Route eingezeichnet ist und ich ungefähr den Übergang ausmachen konnte. Durch meine vorherigen Expeditionen in diesem Teil des Karakorum konnte ich mir den Weg zum Pass ungefähr vorstellen, aber es waren immer noch viele Fragezeichen vorhanden.

Wir verlassen das Dorf Shimshal am 22. Juni. Über drei Camps geht es hinauf auf den 4755m hohen Shimshal-Pass. Kurz dahinter gelangt man zur Hochalm Shuwert (4655m). Am nächsten Morgen gehen wir wie in den vergangenen Jahren hinunter ins Braldu-Tal zur Alm Chkor (3846m). Nicht weit von Chkor queren wir erneut den Braldu-River hinüber zum Camp Helga (3880m) am Wesm-Tal - nicht weit von der Gletscherzunge des Braldu.

Von dort geht es dann in drei Tagen über den zerrissenen Braldo Gletscher - abwechselnd auf der Seitenmoräne und mittig - hinauf zu einem weiten nach Südosten offenen Gletscherkessel kurz vor dem Bobishgir Peak (6416m).

Das Wetter ist nicht stabil im Ende Juni Anfang Juli 2018 - die Berge sind oft in der Wolkenbasis verschwunden und es schneit nicht selten so stark, das am Morgen die Zelte eingeschneit sind.

Der Talkessel vor dem eindrucksvoll verschneiten Bobishgir führt nach rechts in Richtung Lupke-Pass, den ich 2012 und 2016 überschreiten konnte. Wir gehen weiter linker Hand nach Süden und dann noch etwa 2 Stunden hinauf zu einem weiteren "no name" Gletscher, der dann nach Osten hinauf zu einem Einschnitt eines gewaltigen Gratverlaufs führt. Dies müsste nach meinen Berechnungen der Tilman-Pass sein.

Ein weiteres Camp entsteht zunächst auf dem unbekannten Gletscher. Früh am des 3. Juli 2019 starten wir in der Dämmerung. Wir haben Glück: Der Himmel ist klar - die Kulisse perfekt! Im Süden taucht die Spitzen des Ogre (7285m) über einem vergletschertem Grat auf - ein magischer Anblick!

Der Anstieg zum Pass - gut vier Stunden - ist total vergletschert. Wir begehen zwei Passagen mit ca. 45°. Die Sonne brennt inzwischen in den Kessel und auf den letzten Aufschwüngen wird der Schnee schon weicher und schwerer. Ein paar kleinere Lawinen, die wir queren müssen, sind schon abgerutscht. Die letzten 200 Meter bis zum höchsten Punkt gehe ich alleine und genieße das Panorama. Unglaublich, wie viele unbekannte Gipfel vom Tilman-Pass zu sehen sind. Der Ausblick ist unvergleichlich. Der Karakorum: Das Gebirge meiner Träume! Der heutige Tag ist sicher ein absoluter Höhepunkt meiner vielen Exkursionen in diesem Teil der Welt. Die über Sattelitennavigation gemessene Höhe (sieben Sateliten) des Tilman-La: 5555 m.

Der Abstieg an der Ostseite hinunter ist steiler und nur gesichert möglich. Über einen weiteren Gletscher gelangt man in einem Tagesmarsch auf den Nobande-Sobande-Gletscher, mit ähnlichen Ausmaßen wie der Braldu-Gletscher. Über diesen geht man hinunter bis zu einem breiten Tal, welches hinunter nach Jola ins Braldo-Tal führt. Von dort ist man dann in sechs Stunden in Askole.

Es ist inzwischen 10 Uhr und die Julisonne brennt erbarmungslos. Ich steige gesichert etwa hundert Meter ab und stehe bis über die Hüfte in nassem, frischem Schnee. Es ist zu riskant, die Lawinengefahr ist zu groß. Unter diesen Vorrausetzungen können wir an diesem Tag die Ostflanke des Tilman nicht absteigen.

Die Entscheidung fällt mir nicht leicht: Der Weg zurück zum Braldu-Gletscher und über den Lupke-La hinunter auf den Sim-Gang-Gletscher, Snow-Lake und Biafo-Gletscher nach Askole ist bedeutend weiter. Doch den "verschollenen" Tilman-Pass - übrigens die Wasserscheide zwischen der indischen Tiefebene und Zentralasien - habe ich wieder entdeckt und er wird sicher in Zukunft eine interessante Variante sein, um den Karakorum zu überschreiten.

 

 

 

Einen Teil dieser Tour zeige ich in meiner neuen Foto-Film-Show KARAKORUM


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