Trekkingexpedition
Shimshal - Baltoro - Askole
zur K-2 Nordwestflanke
Anfang Juli 2006 erhielt ich die lange ersehnte Genehmigung vom Ministerium für Tourismus in Islamabad in Händen. Ich durfte von Shimshal aus das Braldu- und Muztagh-Tal erkunden und einen von mir gewählten Übergang von der K-2 Nordwestseite zum Baltoro-Gletscher gehen. Die Idee zu dieser Tour entstand schon vor etlichen Jahren während des Studiums alter englischsprachiger Literatur aus der Zeit der britischen Eroberer. Sir Francis Younghusband erreichte 1889 von China aus über das Muztagh-Tal den Shimshal-Paß und damit Hunza. Nach ihm erreichte kein weiterer Ausländer mehr das Muztagh-Tal und selbst die Shimshali gingen im Winter allenfalls mit ihren Yakherden vom Shimshal-Paß hinunter ins Braldu-Tal. Am 10. Juli erreichte ich Shimshal-Dorf zusammen mit meinen langjährigen Freunden Qurban aus Gulmit und Alif aus dem Chapursan-Tal, den ich als Bergführer bei vielen Trecks schätzen gelernt hatte. Ali Rahman sollte mein Guide aus Shimshal sein und weitere vier Träger fanden sich in Shimshal, die sich bereit erklärten auf diese extreme Tour mitzugehen. Am 16.7 erreichten wir den 4755m hohen Shimshal-Paß und damit die Sommerweide Shuwert der Shimshali und ihrer Yaks.
Bis 1964 war östlich von Shuwert die Grenze zu China, erst danach wurde die Grenze auf den Muztagh-River verlegt und das Gebiet gehörte wieder zu Pakistan. Wir erreichen das Braldu-Tal und die erste Flußoase Chikar am 17.7. Fünf Tage durchwanderten wir danach das Braldu-Tal flussabwärts nach Norden, einmal überquerten wir den Fluss bei Lub-Komish mit einem Seil auf seine östliche Uferseite. Unsere beiden Yaks konnten leider den Fluss nicht durchqueren und sie mussten wieder zurück nach Shuwert. Am 20.7. gegen Mittag stehe ich an der Stelle wo der Braldu- in den Muztagh-Fluss fließt. Ein Grenzstein zeigt, das China auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt. Niemals zuvor kam ein Ausländer seit Francis Younghusband an diese Stelle. Doch hier ist erst einmal Ende, der Muztagh-Fluss kommt so nah an die pakistanische Seite, dass wir nicht durchs Flusstal gehen können und die Felswände sind steil und gut 500 m hoch. Wir beschließen zurück zu gehen und die unpassierbare Stelle zu umgehen. Es gibt einen Pass von dem schon Shambir berichtete. Shambir lebte Anfang des 20. Jahrhunderts in Shimshal und er bekam vor 98 Jahren den Auftrag vom Mir in Hunza das Gebiet des Muztagh zu erkunden. Er rüstete Shambir mit 20 Trägern, Verpflegung und einem Ziegenbalgboot aus. Dieser Shambir wird heute noch in den alten Lagerfeuerliedern der Shimshali besungen und Mehman Khan, einer unserer Träger ist der Ururenkel dieses Shambir und Mehman wollte auf den Spuren seines Ahnen wandeln.
Und wir fanden den Pass den Shambir ehemals wählte, den 5155m hohen Chindrikin-Wajeen Pass. Ein schwieriger, steiler Pass, besonders der Abstieg machte uns zu schaffen. Aber es war der Zugang zum Muztagh-Tal, das in den Karten fälschlicherweise oft als Shaksgam-Tal bezeichnet wird. Das eigentliche Shaksgam-Tal zieht sich aber von der K-2 Nordwestseite hinunter nach Mazar in China, während das Muztagh-Tal nach Westen zum Braldu-Tal verläuft.
Unendlich weit zieht sich das Muztagh-Tal vom Braldu-Tal nach Osten. Die Sonne brennt, Temperaturen von 45 bis 50Grad werden am Mittag erreicht. Der Muztagh sucht sich jedes Jahr einen neuen Weg im bis zu 300 m breiten Flussbett und in den nächsten 10 Tagen zwang uns der Flussverlauf immer wieder das Flussbett zu verlassen und hinauf in die steilen Geröllhänge einzusteigen, ein mühsames und gefährliches unterfangen. Mehman und Alif fanden bei diesen Aktionen den Ali Mehman Pass mit 4112m. Eintrag in meinem Tagebuch über diesen Pass: gnadenlos steiler Anstieg, ausgesetzter aber grandioser Abstieg. Die Träger Mohamad Jahn, Eid Mohammad und besonders Ali Sher trugen in den ersten 14 Tagen annähernd 40 kg über nicht selten 10 und mehr Stunden. Ich bewunderte immer wieder ihre Trittsicherheit und Ausdauer, nicht umsonst haben die Shimshali mittlerweile einen legendären Ruf als Hochträger an den großen Bergen des Karakorums.
Unsere Küche bestand im wesentlichen aus grob geschrotetem Mehl mit dem wir Fladenbrote (Tschapattis) auf über Holzkohle heißen Steinen rösteten. Anfangs schlachteten wir noch ein Schaf, das wir in drei Tagen komplett verzehrten. Danach gab es Dal(Linsen) mit Zwiebeln, Reis mit Gewürzen und ab und an Wildgemüse, das wir in einer Höhe zwischen 4000 und 5000m genügend fanden. Einmal gab es sogar Fisch, den wir in Goskun im Braldu-Tal und im Muztagh-Tal fanden. Eine Art Forelle, mittelfingergroß, einmal fingen wir 5 kg. Dazu Unmengen von gesalzenem schwarzen Tee mit einem Esslöffel frischer Yakbutter in der Tasse. Getrockneter Käse wurde ab und zu eingeweicht und mit den frischen Tschapattis als Lassi getrunken. Getrocknete Aprikosen gab es an den besonders harten Tagen als Vitaminschub. Jede Art von Zusatzvitaminen, Zucker, Schokolade und sonstige unnatürlichen Lebensmittel nahm ich bewusst nicht mit, denn meine Shimshali kennen in ihrem Lebensraum ja auch so etwas nicht. Fazit: ich habe mich selten in meinem Leben so gut gefühlt und keiner von unserer Truppe wurde irgendwie krank oder hatte gesundheitliche Probleme.
Am 26. Juli erreichten wir in einer Höhe von 3709m ein Seitental mit Gletscherfluss von einem unbekannten Berg der im Süden in einem Seitental funkelt, er muss zwischen 6500 und 7000m hoch sein. Dieser Fluss war gegen Mittag nicht mehr zu queren und wir mussten hier ein Camp errichten.
Wieder folgten wir den Spuren
der Qulans, der Wildesel, die es hier im Muztagh-Tal in großer Population
noch gibt. Sie ziehen wie wir mit ihnen von Oase zu Oase, queren die Hänge
und durchsteigen die Gletscherflüsse. Ab und zu sehen wir auch Blauschafe
und einmal sogar ein Rudel Steinböcke. Der Adler, Wolf und der Schneeleopard
sind den Spuren zufolge ebenfalls im Muztagh-Tal zuhause. Am 27.
Juli erreichten wir die Stelle, an der man im Norden das Shaksgam-Tal
sieht. Von dort ziehen die Uighuren mit ihren Kamelen von Mazar
aus hinauf zum Basislager an der Nordseite des K-2. Auch wir sehen
von unserem Camp am Abend auf der gegenüberliegenden Seite des
Muztagh ein Versorgungscamp der Chinesen. Der nächste Tag sollte
eigentlich einfach sein. Von Westen fließt der Gletscherfluss des
Skamri-Gletschers in den Muztagh. Wir wollten diesen Fluss überqueren
und hinüber uer Oase Sughet-Jangal. Aber es sollte ein harter Tag
werden, denn wir mussten hinauf auf den Skamri-Gletscher und ihn hinter
seiner Gletscherzunge queren, denn der Fluss war zum durchwaten zu tief.
10 Stunden waren wir an diesem Tag schließlich unterwegs und erreichten
völlig geschafft am späten Nachmittag einen Lagerplatz an der
Gletscherzunge des Sarpo-Lago-Gletschers. Der Eintrag vom 28. Juli in
meinem Tagebuch spricht für sich: gnadenloser Tag, schwieriger Weg,
4,5 Std. Gletscher gequert und am Abend noch ein Sandsturm. Vom ersten Tag an gab es die
Möglichkeit umzukehren. Oft dachte ich an einer schwierigen Stelle,
dies ist das Aus, nun müssen wir sicher umkehren, doch dann fanden
wir wieder eine Lösung und es ging weiter. Die Strapazen waren bisher
ungeheuer und mit jedem Tag und jeder Schwierigkeit die wir gemeinsam meisterten
wuchs unsere kleine Mannschaft zusammen und wir entfernten uns mehr und
mehr von dem Gedanken umzukehren. Nie spürte ich bisher Missmut in
der Gruppe und niemals hatte ich das Gefühl einer wollte aufgeben.
Nun lagen vor uns vielleicht noch 3-4 harte Tage bis hin zum Baltoro, zurück
wären es mindesten 14 Tage. Unsere Verpflegung reichte nur noch für
vier Tage. Jedem war klar, es gibt kein zurück, wir müssen weiter
und den Pass finden.
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Über diese Trekkingexpedition habe ich einen Panorama-Vortrag
in HDAV-Technik erstellt.
Erleben Sie eine neue Dimension der Vortragstechnik.
Standbilder in Überblendtechnik kombiniert
mit hochaufgelöstem HD-Filmmaterial, dazu
live kommentiert und mit original pakistanischer
Musik untermalt. Ein Erlebnis wie im Kino doch authentischer
und lebendiger.

Here you can find the story in english!!
Siehe auch unter Diavorträge
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